Meine Füße schmerzen, meine Augen sind rot. Ausgeheult wegen einem unnötigen Wutanfall, dessen Grund komplett überflüssig war: Essen. Ich brauche etwas Süßes, genau in diesem Moment. Ich gehe in die Küche, suche im Kühlschrank nach etwas Essbarem. Meine Hand greift ins Leere und meine Laune sinkt sofort auf Null. Frustriert schließe ich den Kühlschrank und lasse mich auf einen Stuhl fallen.
Wehe du suchst weiter, du wirst sowieso nichts finden.
Aber vielleicht doch?
Und wenn schon - du wirst nichts essen, dafür werde ich sorgen!
Sicher werde ich etwas essen!
Du SOLLST nichts essen! Du DARFST nichts essen!
Es ist doch nur etwas kleines, Süßes.
Das ist egal, du willst doch nicht zunehmen - hab ich Recht?
Ja scheiße verdammt - du HAST Recht. Aber ich kann nicht anders ...
Na sicher kannst du anders! Du willst es nur nicht!
Das ist doch jetzt egal.
Ganz sicher nicht, du Jammerlappen.
Nerv mich nicht, eine kleine Sache mehr oder weniger macht garnichts aus!
Nein, aber wenn es immer mehr kleine Sachen werden, dann schon.
Was willst du eigentlich?!
Dass weißt du ganz genau, meine Liebe!
Es stimmt. Diese Stimme in mir hat Recht; ich weiß ganz genau warum es sie gibt, wieso diese Disskussion in mir stattfindet. Die Antwort ist ein Gegenstand. Ein Spiegel, in dem ich nichts geringeres als mich selber sehe. Mich, wie ich mich verändert habe. Mit diesem kleinen Bauch, der nun auch aus Shirt's rausguckt. Jedes mal wenn ich an dem großen Spiegel im Flur vorbeigehe ... - nein, es ist gelogen: Ich kann noch nicht mal nur vorbeigehen. Ich bleibe stehen, plötzlich, spontan. Als wäre ich eine Marionette, dessen Fäden man nicht ruckartig zurückzieht. Ich ziehe jedes Mal mein T-Shirt hoch und verzweifle. Jedes Mal auf's neue sinke ich zu Boden. Die Marionette wird fallen gelassen. Und jedes verdammte Mal rede ich mir ein, nicht dick zu sein. Es ist nicht nur einfach einreden, es ist die Wahrheit. Doch manchmal reicht es nicht, die Wahrheit zu wissen. Manchmal.

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